Wir leben mit dem Rhythmus, und zahlreiche Geräusche begleiten uns durch den Tag: Der eigene Herzschlag, die Atmung, die Musik aus dem Radio, das Tippen der Kollegen auf der Computertastatur, die Babyrassel, die Bahngeräusche der Schienen und vieles mehr. Sie werden sicher schon festgestellt haben, dass Sie manche Töne nervös machen und andere beruhigen. Diesen Effekt kann man sogar messen. Bestimmte Tonfolgen und Takte erzeugen entsprechende Reaktionen im Gehirn.

 

Beim therapeutischen Trommeln werden Rhythmus und körperliche Bewegung zur Stressreduktion, bei chronischen Schmerzpatienten zur Linderung, gegen Aggression und Ängste und in der Suchtbehandlung eingesetzt. Autistische Kinder sprechen besonders darauf an. Man macht sich hier vor allem die beruhigende Wirkung zunutze. US-Studien zufolge kann schon eine Übungseinheit in einer Trommelgruppe die Alphawellen im Gehirn (sind bei Ruhe und Entspannung aktiv) verdoppeln. Beim Trommeln werden außerdem Endorphine (Botenstoffe im Gehirn, „Glückshormone“) ausgeschüttet, die Wohlbefinden erzeugen. Sie wirken schmerzdämpfend und gelten als körpereigene Opioide. 

Trommeln entschleunigt die Atmung
Neurochirurg und Schmerztherapeut Dr. Reinald Brezovsky, Ärztlicher Leiter des Gesundheitszentrums Döbling in Wien und selbst seit seinem neunten Lebensjahr Schlagzeuger: „Beim Trommeln wird die Atmung entschleunigt, die Schwingungen übertragen sich auf den ganzen Körper und wirken entstressend. Konzentration und Koordination werden spielerisch geschult. Durch den Einsatz beider Hände und auch einzelner Finger findet ein Prozess im Gehirn statt, der beide Gehirnhälften fordert. Dies macht man sich bei der Behandlung von Alzheimer-Patienten zunutze. Schmerzpatienten profitieren über die Frequenzen, die man durch Trommeln erzeugt. Sie bewirken Lockerung und Entspannung.“ 

Schlagbewegung gegen Aggressionen
Die Schlagbewegung der Hände, die nach einer gewissen Zeit auch zu einem individuellen Rhythmus des Trommelnden führen, haben einen ableitenden Effekt bei aufgestauten Aggressionen. Zusammen mit der bereits beschriebenen Entspannung ergibt sich daraus ein gutes Mittel bei der Arbeit mit aggressiven, verhaltensgestörten oder vernachlässigten Kindern und Jugendlichen. 

In den USA berufen einige große Firmen bereits Trommel-Zirkel ein, in denen ein Kreis von Mitarbeitern aller Ebenen – auch die Chefs – zusammenkommen. Das gemeinsame Musizieren baut Ängste ab und schafft Zusammengehörigkeitsgefühl. 

Automatisch kommen einem Bilder aus dem afrikanischen und südamerikanischen Raum in den Sinn. Dort wird Trommeln bei gemeinsamen religiösen Treffen wie auch bei fröhlichen Festen eingesetzt, aber auch, um sich zu besinnen, seine Gedanken zu ordnen und Klarheit zu erlangen. 

Keine Vorkenntnisse nötig
Wenn Sie es selber einmal ausprobieren wollen: Es sind keine Vorkenntnisse nötig. Man muss kein Musiker sein und auch keine Noten lesen können, sondern einfach seine Gefühle auf das Instrument übertragen. Schon ganz einfache Klangkörper, die nicht sehr teuer sind und die man auch in Kaufhäusern erhält, sind geeignet. Das kann jeder für sich alleine versuchen. Oder Sie belegen einen Kurs, bzw. lassen sich bei einer therapeutischen Einrichtung beraten. 

Artikel von Karin Podolak ( Kronen Zeitung 7.2. 2008 )

Dr. Brezovsky: „Trommeln ist eine einfache und wirkungsvolle Möglichkeit mit sich in Einklang zu kommen.“

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